Gut geplant geht’s schnell – Kanalsanierung im laufenden Betrieb eines Lebensmittelunternehmens

Dass die gesetzlich geforderte Eigenüberwachung alles andere als ein „zahnloser Tiger“ ist und Betriebe ihre Verantwortung ernst nehmen, zeigte ein Schlachtkörperzerlegebetrieb eindrucksvoll. Im Rahmen einer Kamerabefahrung wurden drei Haltungen der Nennweite DN 300 – zweimal 40 Meter und einmal 20 Meter – als schadhaft identifiziert. Betroffen war jeweils die Rohrsohle, die deutlich angegriffen beziehungsweise „weggefressen“ war. Als Ursache gelten saure Reinigungsmittel, die im Rahmen der hohen Hygienestandards entlang der gesamten Verfahrenskette eingesetzt werden. Gerade in lebensmittelverarbeitenden Betrieben sind solche chemischen Belastungen der Entwässerungsinfrastruktur keine Seltenheit.

Reparatur im eng getakteten Betriebsumfeld

Produktionsbetriebe stehen permanent unter dem Druck, lieferfähig zu bleiben. Stillstände einzelner Teilstränge der Zerlegekette sind wirtschaftlich kaum vertretbar. Eine Kanalsanierung im laufenden Betrieb ist daher nur in klar definierten Revisionszeiten möglich – häufig an Feier- oder Brückentagen, an verlängerten Wochenenden oder, wenn erforderlich, auch nachts.

Der ursprünglich geplante Ausführungstermin am 16. Februar 2025 konnte nicht gehalten werden, da ein für die Maßnahme essenzielles Bauteil – der Liner – nicht rechtzeitig verfügbar war. Als neuer Termin wurde Freitag, der 2. Mai 2025, ein Brückentag, festgelegt.

Mit den eigentlichen Arbeiten konnte erst gegen 12:00 Uhr begonnen werden – damit war absehbar, dass ein Teil der Maßnahme in die Nachtstunden hineinreichen würde.

Vorbereitung: Hochdruckreinigung und Reprofilierung

Die Sanierung begann mit einer intensiven Reinigung der betroffenen Haltungen mittels Spülfahrzeug bei 150 bar. Eine saubere, tragfähige Oberfläche ist Voraussetzung für jede nachhaltige Instandsetzung.

Im Anschluss kam das ReproLining 0.5 der Hermes Technologie zum Einsatz – ein Verfahren zur gezielten Reprofilierung der geschädigten Rohrsohle.

Hierbei wird ein Stahlseil mithilfe einer Winde vom Zielschacht über eine Umlenkrolle zum Startschacht geführt. An diesem Seil ist ein Reprofiliergerät befestigt. Vor Beginn des Arbeitsgangs wird der Reparaturmörtel – in diesem Fall der XWW3-zertifizierte ERGELIT-KS 1 – vor dem Gerät positioniert.

Das Reprofiliergerät wird anschließend kontrolliert durch die Haltung gezogen. Der Mörtel kann dabei gezielt in die ausgewaschenen und unterspülten Bereiche der Rohrsohle einfließen und diese schachtwandbündig verschließen. Der Arbeitsgang gilt als abgeschlossen, sobald am Zielschacht exakt die Mörtelmenge austritt, die am Startschacht eingebracht wurde – ein klares Qualitätskriterium für die vollständige Verfüllung.

Besonders günstig war in diesem Projekt, dass sich keine Seiteneinläufe im unmittelbaren Sohlenbereich befanden. Solche Einbindungen hätten das Verfahren verlangsamt, da mit reduzierten Mörtelmengen hätte gearbeitet werden müssen.

Um 22:00 Uhr war der Abschnitt erfolgreich abgeschlossen – sowohl technisch als auch organisatorisch eine Punktlandung.

Nachhaltige Linervorbereitung ohne Preliner

Die durchgeführte Reprofilierung diente als linervorbereitende Maßnahme. Durch die Wiederherstellung einer tragfähigen und gleichmäßigen Sohle konnte auf den Einsatz eines Preliners verzichtet werden.

Das reduziert nicht nur den Materialeinsatz, sondern vermeidet zusätzlich Mikroplastik – ein Aspekt, der zunehmend an Bedeutung gewinnt und von Auftraggebern wie Auftragnehmern gleichermaßen begrüßt wird.

Das Projekt wurde innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters erfolgreich umgesetzt. Die enge Abstimmung aller Beteiligten zahlte sich aus: Sowohl Auftraggeber als auch ausführendes Unternehmen zeigten sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Bereits am darauffolgenden Tag konnte planmäßig der Linereinbau erfolgen.